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Leben auf Level 34 -Teil 1

 

 Durch den Hype um Pokémon GO, dem Millionen von Schülern verfielen, wurde deren Leben und Alltag stark beeinflusst. Aber schon nach einiger Zeit, bei mir jedenfalls war es bei Level 18, verloren viele das Interesse und kehrten zu ihrem üblichen Tagesablauf zurück. Doch dabei stellt sich mir die Frage, ob auch erwachsene Menschen mit einem geregelten Tagesablauf und einem festen Job sich durch derartige Spielereien ablenken lassen. Also machte ich mich auf die Suche und fand schließlich ihn: Jens, 47, Diplom-Physiker, begeisterter und leidenschaftlicher Pokémon GO-Spieler.

 

1. Zuerst eine kleine Selbstbeschreibung

 

Ja, danke zuerst für das Interesse! Also, ich bin wie gesagt 47, von Beruf Diplom-Physiker und arbeite in einem Ingenieurbüro als technischer Berater für eine wissenschaftliche Software. Ich wohne in Regensburg und bin aktuell alleinstehend. Ich bin nicht katholisch, mag aber trotzdem Katholikinnen. Hobbys habe ich einige: Mathematik, Physik, Programmieren. Beim Kochen lausche ich gerne Hörbüchern, die auch mal weniger wissenschaftlich sein dürfen. Ich mag Makrofotografie und Musik: Syntheziser und Schlagzeug. Ansonsten könnte man sagen, das Übliche: Was mit Freunden machen, weggehen, bisschen Sport, am Rechner zocken - Geheimtipp: "Southpark - The Stick of Truth" - oder Filme streamen. Hinzugekommen ist Pokémon. Weggegangen ist Sondermüll im Fernsehen.

 

 

Screenshot by Lens

 

2. Welchen aktuellen Spielstand haben Sie?

 

Ich bin Level 34 und in diesem Level so circa in der Mitte. Leveln da oben ist verteufelt langwierig. So zur Orientierung: Mit den Punkten, die ich im Level 34 bislang gemacht habe, wäre ich beim Neuanfang auf Level 24.

 

3. Sind Sie begeisterter Spieler seit der Veröffentlichung des Spiels oder sind Sie Späteinsteiger?

 

Ich muss das zuerst etwas relativieren. Ich bin nicht vollständig begeistert, denn das Spiel ist von der Konzeption her genial, aber in der Ausführung meiner Meinung nach hochgradig mittelmäßig umgesetzt. Es ist buggy, teilweise sind die Events Schrott. Instabilität ist das Schlimmste und das Spiel grindet natürlich ganz erheblich. Dazu kommen noch die Cheater. Wenn Du meine Ausdauer als Begeisterung betiteln möchtest, so bin ich so ziemlich von Anfang an dabei, Mitte Juli - und das Positive überwiegt das Negative, sonst würde ich ja nicht zocken.

 

4. Haben Sie auch Lieblingspokémon?

 

Ja klar, aber nicht, weil ich eines so süß oder hübsch finde, sondern nur, weil diese gewisse Rollen ausüben, also Vervollständigung des Pokédex, Leveln, Attacke oder Verteidigung. Zum Beispiel möchte ich natürlich unbedingt alle Pokémon haben, die es aktuell lokal gibt. Die habe ich jetzt. Rolle erfüllt, also nicht mehr wichtig. Taubsi ist zum Beispiel immer super! Anfänger sagen: Blöde Taubsis... Die haben halt keine Ahnung! Die sind super zum Leveln. Am wichtigsten aber sind mir meine Angreifer. Hier habe ich ein Set, welches jede Arena plättet. Drei Kampf-Dragoran, Aquana, Kokowei, Fukani, Garados, Bisaflor und Rhizeros hauptsächlich. Für die Verteidigung habe ich natürlich auch zig Viecher. Mein absoluter Liebling da ist Sleimok, ein stinkendes Schleim-Monster, das sich durch den Wurf von Müll verteidigt.

 

5. Wie war Ihr Tagesablauf vor Pokemon GO und wie ist er mit Pokemon GO? Hat sich Ihr Tagesablauf durch Pokémon GO verändert? Wenn ja, inwiefern?

 

Die Frage, wie mein Tagesablauf war, kann ich recht leicht beantworten, aber dies ist natürlich recht platt: Schlafen, arbeiten, Freizeit. Ganz grob ist es so: Ein Teil der Freizeit geht für Pokémon drauf, der vorher für anderes verfügbar war. Als triviale Veränderung zum Beispiel ist es so, dass ich mit zwei geladenen Handys und Powerbank morgens zum Bahnhof gehe und schon ein bisschen auf dem Weg zur Arbeit farme. Auf dem Weg nach Hause dasselbe, ein bisschen farmen und dann zum Beispiel "Pokébus". Sprich: Einige Runden mit dem Altstadt-Bus drehen zum Farmen. Dann treffe ich oft schon einige meiner Bekannten. Jetzt im Winter ist es echt manchmal eklig draußen und trotzdem mache ich Arenen. Wenn ich aktuell heimkehre, habe ich vielleicht 2 Stunden gezockt, an Wochenenden vielleicht 3-4 Stunden pro Tag in der Kälte ohne Bus. Dies ist übrigens phänomenal bei dem Spiel: Ich war wohl noch nie so viel draußen - selbst bei unangenehmsten Wetter!

 

6. Wie sind Sie dazu gekommen, Pokémon GO zu spielen und was gefällt Ihnen daran? Was macht das Spiel für Sie so besonders?

 

Ein Arbeitskollege meinte mal im Juli, ob ich das schon ausprobiert hätte, er selbst nicht. Also habe ich das installiert. Ich dachte: Geile Idee! Ein Spiel, bei dem man sich bewegen muss! Naja, erst Mal testen... Anstatt zum Beispiel einfach nur ins Freibad, eben noch paar Monster mitnehmen, abends aus dem Freibad zurück an den Bismarckplatz und dann bisschen weiter farmen, einfach nur so, ohne großes Ziel und dann kam die Veränderung damit, dass ich andere kennenlernte und somit wurde es richtig witzig. Aus dem Kontakt zu etlichen der Freaks wurde plötzlich eine Community. Völlig unabhängig von der Farbe, obwohl man ja Konkurrent war (es gibt blau, gelb, rot). So war es typisch, zusammenzuhängen mit zehn Leuten oder so und drei Fahrrädern und einer ruft: Dragonir am Dom!! Dann wurden Handys herumgeworfen, damit ein anderer das Vieh holt, während man gerade chillt oder umgekehrt. Das nenne ich einmal "Das Pokésommermärchen". Natürlich haben sich aber dabei auch die Farben gefunden und natürlich machen sich die Teams gegenseitig platt. Ganz besonders ist bei diesem Spiel, dass sich "ernsthafte" Spieler auf der Straße kennen lernen sollten. Irgendwann trifft man jeden! Aktuell versuche ich, eine neue blaue Fraktion zu bilden, weil besonders die roten gerade übelst unterwegs sind und gelb auch sehr starke Spieler, genau genommen punktuell die stärksten mir bekannten Spieler haben. Zusammengefasst: Besonders ist die Community, in welcher Form auch immer und - wie schon erwähnt - viel draußen sein!

 

7. Teilen Sie dieses Hobby auch mit Freunden?

 

Meine engsten Freunde, die aber ausnahmslos ganz weit weg wohnen, spielen nicht. Aber zu anderen neuen echt klasse Leuten kann ich gleich mehr erzählen!

 

8. Haben Sie sich beim Spielen auch schon mit anderen Jägern angefreundet? Wenn ja, können sie Angaben über deren Alter und Beruf machen?

 

Ja, es gibt etliche Bekanntschaften! Also, ich kenne nicht unbedingt das exakte Alter, noch die genauen Berufsbezeichnungen... MTLA (28), Ingenieur (40), Physik-Ingenieur (32), Schüler (19), Ingenieurin (28), Schülerin (20), IT-Techniker (22), Paketlieferant (40), Ausbilder (51), Inhaberin Geschäft (50), Wirt auf Volksfesten (30), Student Informatik (23), Studentin Jura (23).

Das ist nur ein kurzer Rundumschlag ohne Präzision. Die Schüler, wie du anfangs meintest, sind eher die "Casuals". Schüler müssen irgendwann nach Hause und haben meistens kein Auto. Die Spieler mit den höchsten Level aktuell (01/2017) in Regensburg sind aber, soviel ich weiß:

Student, Psychologie, Alter 23, Level 39

Ingenieur, Alter 40, Level 38

MTLA, Alter 28, Level 37

 

9. Ist Ihnen oder anderen Spielern in Ihrem Kreis durch PokémonGo schon mal ein Missgeschick passiert? Sind sie beim Spielen schon mal in eine missliche Lage geraten? Gab es besondere Situationen, die spektakulär waren?

 

 

Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid und Lust habt unter anderem über einige Missgeschicke zu schmunzeln, dann könnt ihr euch auf den nächsten Teil, Leben auf Level 34 - Teil 2, freuen!

 

penny

 

 

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