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Eine Woche #2 beim Geigenbauer

Eine Woche…“ Teil 2 – dieses Mal beim „Geigenbau Goldfuß“ in Regensburg, ein Familienunternehmen, das seit drei Generationen besteht. Über Handwerkskunst, Beethoven und darüber, wie man immer den richtigen Ton trifft.

 

Im Hintergrund läuft leise ein Violinkonzert von Beethoven, draußen strahl die Sonne mit den glatt polierten Oberflächen der Geigen und Celli drinnen um die Wette. Die Geigenbauwerkstatt „Goldfuß“ wird nun in dritter Generation von Thomas Goldfuß geleitet, der 1992 seine Meisterprüfung ablegte. Vater Horst Goldfuß sitzt mit 76 Jahren noch immer an seinem Arbeitsplatz gleich rechts neben der Tür in die Werkstatt. Gemeinsam mit zwei weiteren Geigenbaumeistern und einem freiberuflichen Mitarbeiter reparieren Vater und Sohn seit Jahrzehnten Streichinstrumente, kopieren Meisterstücke und schneidern Musikern ihre Geigen, Celli oder Bratschen auf den Leib. Alles in aufwändigster Handarbeit.

Im hinteren Teil des Zimmers gibt es eine kleine Kammer mit einem Regal, das über und über mit Flaschen und Gläsern zugestellt ist, voll mit den unterschiedlichsten Flüssigkeiten und Materialien gefüllt, schon fast wie in einer Hexenküche oder einer Apotheke Anfang des 20. Jahrhunderts: Leime, Poliermittel, Baumharze, Grundierungen, Farbpigmente…

Als Praktikantin ist es klar, dass man nicht gleich an die „großen Brocken“ darf. Geigenbauen erfordert wahnsinnig viel Erfahrung, Geduld und natürlich handwerkliches Geschick. Mit Geigen putzen, polieren oder abschleifen konnte ich dann Gott sei Dank nicht allzu viel falsch machen, und hatte auch die Zeit, den Profis mal wortwörtlich über die Schulter zu schauen.  

Meine Arbeitszeit war jeden Tag von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr, mittwochs nur bis 16:00 Uhr, inklusive einer Stunde Mittagspause.

Wer sich leidenschaftlich gern mit Handwerk beschäftigt und klassische Musik liebt, für den ist ein Praktikum beim Geigenbauer auf jeden Fall das richtige, wobei es sich hier auf jeden Fall von Vorteil ist, über mehrere Wochen in der Werkstatt zu arbeiten.

Ich persönlich wollte mir unbedingt ansehen, wie in einem so traditionellen Handwerksberuf heute noch gearbeitet wird und ich habe auf jeden Fall einen sehr interessanten Einblick gewonnen. Auch wenn man das vielleicht nicht gleich glaubt, ist dieser Beruf auch mit einem sehr engen und direkten Kontakt zu Menschen verbunden, jedes Instrument wird individuell auf den Musiker abgestimmt und auf ihn zugeschnitten. Genauso ist aber auch musikalisches Gespür und Gehör gefragt, eine Liebe zum Detail und viel Fachwissen.

Mir war vorher nie wirklich bewusst, wie viele Bereiche der Geigenbau eigentlich verbindet und, dass vielmehr als nur ein bisschen Hobeln und Sägen dazugehört. Und was auch noch interessant ist: Geigenbaumeister Thomas Goldfuß spielt nicht mal selbst ein Instrument.

Hat aber anscheinend nicht geschadet, im Gegenteil.

Na dann, ran an die Geigen, der Meister macht die Musik.

 

Wenn ihr mehr über das Handwerk oder ein Praktikum beim Geigenbauer wissen wollt:

Geigenbau Goldfuß

Schwanenplatz 2

93047 Regensburg

www.geigenbau-goldfuß.de  

Elena 

 

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