Doktor Märtens' Docs

 

Wehrmachtarzt Klaus Märtens hatte eine Vision – ein stabiler Schuh, zu vergleichen mit den Sicherheitsstiefeln des Zweiten Weltkriegs, jedoch sollte er komfortabler zu tragen sein.

 

1945, wenige Wochen nach Ende des Kriegs, entstanden schon die ersten Prototypen, diese waren optisch jedoch noch sehr weit von den uns heute als Doc Martens bekannten Modellen entfernt. Die Bestandteile gewann man hauptsächlich aus Armeeresten, so wurden Gummiüberreste von ausgedienten Maschinen der deutschen Luftwaffe für die Schuhsohlen verwendet und die Einlagen der Stiefel aus Schulterstücken alter Uniformen gewonnen. Die bequeme Variante der Sicherheitsstiefel mit den weichen Sohlen, die trotz ihres Komforts strapazierfähig und unempfindlich gegen Öl, Benzin und Säuren war, fand in der Bevölkerung großen Zuspruch. Mit wachsender Popularität eröffnete Dr. Märtens mit einem Studienkollegen in München eine Fabrik.

 

In den 50ern existierten schon über 200 verschiedene Ausführungen und der Erfolg der Stiefel stieg immer weiter an. 1959 wurden die Modelle erstmals in internationalen Magazinen gezeigt.

Kurz darauf erwarb der englische Betrieb „R. Griggs & Co“ die Produktionslizenz für die beliebten Schuhsohlen, führte allerdings einige Änderungen am Schuhdesign durch. Dazu zählen zum Beispiel ein modifizierter Absatz, ein zwiebelförmiger, doch schlichter Oberschuh, eine markante gelbe Rahmennaht und ein zweifarbiger, gerillter Sohlenrand. Die Stiefel wurden mit dem Markenzeichen „Airwair“ versehen und durch eine schwarz-gelbe Fersenschlaufe abgerundet, auf der der Markenname und der Slogan „With Bouncing Soles“ zu lesen war. All diese Details kennzeichnen noch heute den typischen Doc Marten. Doch auch bei dem neuen Anbieter wurden die Stiefel anfangs hauptsächlich von Arbeitern, Soldaten, Polizisten und Postboten gekauft.

 

In den 60er Jahren entstand eine Bewegung britischer Jugendlicher der Arbeiterklasse, die Mods genannt wurden. Sie wollten ihre Herkunft, beispielsweise durch das Tragen maßgeschneiderter Anzüge, in den Hintergrund rücken. Einflüsse in Sachen Mode und Stil kamen größten Teils aus Italien, so galt man als besonders cool, wenn man den typisch italienischen Motorroller zu seinem Eigentum zählen konnte. Aus dieser Bewegung kristallisierte sich eine Gruppe, die den Doc Martens zu ihrem rebellischen Ruf verhalf, durch ihre äußerliche Erscheinung besonders heraus. Die Skinheads distanzierten sich von dem Gedanken, ihre Herkunft mit Markenklamotten zu verdecken. Im Gegenteil, sie wollten bezwecken, dass jeder wusste, wer sie waren und woher sie kamen. Ein typischer Skinhead war damals an seinen sehr kurz geschnittenen Haaren (die Skingirls trugen einen sogenannten „feather cut“), der provokativen Kleidung und an seinen roten Dr. Martens, die er mit schwarzer Schuhcreme bearbeitete, zu erkennen.

Diese Jugendlichen können jedoch keinesfalls mit den rechtsradikalen Skins von heute verglichen werden. Ihren Stil schauten sie sich von den sogenannten „Rude Boys“, das waren jamaikanische Jugendliche, die sich ihre Haare durch Kurzscheren glätteten, um den Weißen etwas mehr zu ähneln, ab. Wer also behauptet, Rechtsradikale hätten die Schuhmarke groß herausgebracht, der liegt falsch! Jedoch waren einige Mitglieder der Skinheads extrem aggressiv und brutal veranlagt, ihnen dienten die eigens mit Eisenstacheln versehenen Schuhkappen als gefürchtete Waffe. Auch die Punkszene, die in Mitte der 70er Jahre entstand, machte sich Gebrauch von den Stiefeln, um sich mit der Arbeitergesellschaft zu identifizieren.

Der erste populäre Träger der Doc Martens war Tony Benn, ein Sozialist im britischen Parlament, der sich für die Arbeiterklasse einsetzte und seine Verbundenheit zu ihnen durch seine Schuhe demonstrierte.

Heutzutage wird man kaum noch einen Doc-Martens-Träger finden, der sein Schuhwerk trägt, um sich der Arbeitergesellschaft zuzuschreiben, genauso wie Schuhe, die mit Nieten besetzt sind, nicht als Waffe verwendet werden. Nein, heutzutage werden sie getragen, weil sie schlicht und einfach in sind, einem ein abenteuerlustiges Aussehen verleihen und zu so gut wie jedem Outfit, sei es ein süßes Blümchenkleid, oder eine an den Knien aufgeschlitzte Skinny-Jeans kombiniert mit einem oversize Bandshirt, zu tragen sind und dieses mit Leichtigkeit aufpeppen. Vielen Dank Dr. Klaus Märtens für Ihre wundervolle Idee!

 

 

Amie

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