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Papa Roach - Crooked Teeth

Nach ihrem letzten Album F.E.A.R. (2015) veröffentlichten Papa Roach nun ihr achtes Album im Mai diesen Jahres. Während viele andere Bands, die ihre Blütezeit mit Papa Roach teilten, mittlerweile komplett von der Bildfläche verschwunden sind oder sich mehr und mehr dem Mainstream anpassen, holt Papa Roach nun zum erneuten Angriff aus.

Wie Frontsänger Jacoby Shaddix bereits vor der Veröffentlichung ihres neuen Werkes andeutete, gibt es viele rockige Elemente vermischt mit Rap (auch bekannt als Nu Metal, eine vom Hip Hop beeinflusste Metalströmung aus den 1990ern) zu hören.                                                                                                    

Wo auch immer man Crooked Teeth einordnen möge, klar ist, dass die 1993 gegründete Band auch 2017 noch Erfolge feiern, alte Fans begeistern und neue dazugewinnen kann! Das liegt ohne Zweifel an der abwechslungsreichen Musik, die dem Hörer geboten wird; trotz des ein- oder anderen Durchhängers wirkt das Album stimmig und diejenigen Fans, die Papa Roach schon seit mehr als einem – oder sogar zwei – Jahrzehnten verfolgen, fühlen sich durch die Stücke möglicherweise in ihre eigene wilde Jugend zurückversetzt; nicht zuletzt wegen der letzten 16 älteren und noch älteren Liveversionen, die das Album zusammen mit den 13 neuen Songs eine Stunde und 51 Minuten lang werden lassen.

Schon beim ersten Titel des Albums, „Break the Fall“, kann das Zurückversetzen in die guten alten Zeiten geschehen; weniger elektrische Beats und stattdessen etwas mehr Sprit – willkommen im 20. Jahrhundert!                                                                                                                                                            

Darauf folgt auch schon „Crooked Teeth“, nach dem auch das Album benannt ist – und das nicht grundlos. In dem Song wird ihr volles Können sowie das des jungen Produzententeams RAS Furlong und Collin Brittain unter Beweis gestellt: die Band liefert beeindruckende Kompositionen und vermischt modernen Rock und HipHop mit Popelementen; die Männer am Pult sorgen für eine fließende Verbindung der Elemente und somit auch für Harmonie.                                                                    

Die sphärischen Gitarrenklänge aus „My Medication“ erinnern sehr stark an Linkin Park zu „Meteora“-Zeiten. Trotz der Rapanteile, des eher lahmen Refrains und deren Ungleichverteilung zünden Akustik-Popper, dreckige Spitter sowie stadionhymnenähnliche Elemente sofort und sind verantwortlich für die Vermutung, der Song könne unter ihren eigenen Favoriten zu finden sein.              

Der vierte Titel fasst sowohl das Album als auch die Selbsteinschätzung der Band gut zusammen: „Born for Greatness“. Hierzu wurde der Produzent Jason Evigan, der bereits mit Madonna und Jason Derulo zusammenarbeitete, mit ins Boot geholt. Der Song killt regelrecht durch seine Vielfalt; die eingeschobenen Voice-Pitchs, der Mitsing-Pre-Chorus und die riesengroßen Boom-Beats spiegeln ebenfalls ihre Kompetenz auf vielen Gebieten der Musik, nicht nur im Genre des Rock und Metal, wider. Was bei diesem Stück weiterhin auffallend ist, ist die Tatsache, dass Musik und Text besonders gut aufeinander abgestimmt sind.

Kommen wir nun zu meinem persönlichen Highlight von Crooked Teeth: „American Dream“.                                             Anfangs sind schnelle Rap-Verse zu hören, welche dann aber durch einen wahnsinnig kitschigen, aber doch rockigen Ohrwurmrefrain abgelöst werden. (Dazu muss man sagen, dass Rap eigentlich gar nicht mein Ding ist – aber in diesem Album und vor allem in diesem Song möchte ich ihn nicht mehr missen!) Unterlegt sind die Rapparts von einer locker-leichten Melodie, wodurch diese nicht zu hart wirken. Hier ist zwar eine nicht so große Vielfalt geboten wie in anderen Liedern, könnte aber womöglich genau dadurch den Ein- oder Anderen überzeugen.                       

 Auf demselben Niveau ist für mich „Help“ – etwas dreckiger und mit weniger Rapanteilen, aber definitiv Nummer zwei auf meinem persönlichen Ranking!                                                                                   

Es folgt „Periscope“, der Schwachpunkt des Albums. Generell keine schlechte Idee, eine ruhige Nummer mit einzubauen, allerdings ist es im Gesamtzusammenhang zu schnulzig und nicht wirklich angebracht bzw. abgestimmt. Die Zusammenarbeit mit Musikerin Skylar Grey erinnert in dem Fall eher an Linkin Parks letzte Single „Heavy“.                                                                                                                

Bei „Sunrise Trailerpark“ kommt die Vielfalt der Band ans Licht: Rap (auch gesungen vom „echten“ HipHopper Machine Gun Kelly) begleitet von chilliger Westerngitarrenbegleitung und einen fließenden Übergang zum Refrain.                                                                                                                                 

Der darauffolgende Song „Traumatic“ gehört definitiv zu den Dreckigsten und Härtesten aus „Crooked Teeth“ – genauso wie „None of the Above“: Brutale Breakdowns garantiert!                                 

Die Bonustracks „Ricochet“, „Nothing“ und „Bleeding Through“ sind weder in die Kategorie „Durchhänger“, noch in die der wahnsinnigen Stärken des Albums eingeordnet werden. Man kann sie gut hören und sie haben definitiv Ohrwurmpotenzial, was nicht zuletzt an dem einfachen Konzept liegen könnte. Sie runden „Crooked Teeth“ gut ab, indem sie nach und nach immer ruhiger werden und den Hörer aus seiner möglicherweise „crooked“ (dt. „krumm“) Haltung befreien…

Für diejenigen, die noch nicht genug von Papa Roachs Klängen haben, gibt es im Anschluss noch einige ältere Lieder als Liveversionen, wie zum Beispiel „Face Everything and Rise“, „Scars“, „Getting Away With Murder“, „Last Resort“ und viele mehr.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Album Crooked Teeth die Bandgeschichte der Kalifornier erzählen soll, was auch gelungen erscheint: die Abfolge und Titel sind auf ihre Vergangenheit abgestimmt und auch die Musik an sich; eher wenig Konzept, dafür aber ein facettenreiches Auftreten, einige positive Ausreißer sowie etwas Blödsinn: das ist das, was Papa Roach seit langer Zeit ausmacht!                                                                                                                           

Die Liveversionen am Ende, vorwiegend ihre Top-Titel, zeigen dann noch einmal den Verlauf in der Praxis – die nachvollziehbare Darstellung und das wenige, aber dennoch existierende Konzept, wird eben erst bei genauerem Hinsehen klar.                                                                                                         

Unabhängig davon, ob man lieber alles analysiert und interpretiert, auf den Text achtet und sich einige Male selbst wiedererkennt oder einfach die Musik genießt: Es lohnt sich definitiv, reinzuhören – vor allem für die Rocker unter Euch…;)

                                                                                                                                                                  Nadja

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Kommentare: 1
  • #1

    Ja cpvl (Montag, 23 April 2018 13:54)

    Rock ist so toll,
    Der Bauch ist noch nicht voll.
    Wie wollten das er platzte,
    Was sie ganze Welt mit Blut vollpatzte