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Beartooth: „AGGRESSIVE“

 

 Nach ihrem unerwarteten Durchbruch 2013/2014 mit der EP „Sick“ und dem darauffolgenden Debütalbum „DISGUSTING“ haben Beartooth nun eine neue Platte veröffentlicht, die die immer größer werdende Fangemeinde keinesfalls enttäuscht.                                                                                                                      Dass die Senkrechtstarter aus Ohio sich ursprünglich nur als Nebenprojekt des Frontmanns Caleb Shomo, der zu diesem Zeitpunkt noch bei ATTACK! ATTACK! aktiv war, ansahen, ist heute kaum vorstellbar – immerhin tourt das Quartett mittlerweile mit Genregrößen wie SLIPKNOT, BRING ME THE HORIZON oder OF MICE & MEN.

 Nach dem vorigen Album, welches durch sowohl melodische Sounds als auch durch harte Parts überzeugte, war der Anspruch an das neue Album entsprechend hoch – auch der Titel, „Aggressive“, sowie das Cover versprechen Großes: das blutverschmierte Gesicht des Leadsängers Caleb Shomo - halb Mensch, halb Wolf, spricht Bände und erfüllt die Herzen der Fans mit Vorfreude.  

 

Aber wird die Erwartung, die man hat, erfüllt? Ist das Album „aggressive“?

 

Besser noch: Meine Erwartungen und die der anderen Fans wurden sogar übertroffen; in nahezu allen 12 Titeln gibt es harte Gitarrensounds, harte Shouts, harte Messages und Aggressionen – oder soll ich WUT sagen? Dabei bleibt die Band sich selbst und dem Debütalbum treu; in ihrer eigenen Sound-Nische (Metal gemischt mit Punkrock- sowie Popelementen) kann sich jedes der vier Mitglieder frei entfalten, Ähnlichkeiten mit Tracks anderer Künstler wie A DAY TO REMEMBER ergeben sich von selbst und passen hervorragend - was für doppelt begeisterte Fans sorgt. Die Band schafft es mit diesem Album sogar, SAOSINs „ALONG THE SHADOW“ von Platz 1 der bisher „Besten Alben des Jahres“ zu verdrängen.

 

 

Ist „AGGRESSIVE“ das neue „DISGUSTING“?

 

 

Naheliegend ist hier die Annahme, „AGGRESSIVE“ sei das „DISGUSTING“ 2.0 ; Dem ist aber nicht so. Der entscheidende Unterschied liegt im Gesamteindruck der Alben. Während Caleb Shomo im ersten Album noch seinen Kampf mit Depressionen und inneren Dämonen darstellt und verarbeitet, scheint er im nachfolgenden Album einen Weg aus der Krankheit gefunden zu haben. Der innere Kampf und die Zerstörung äußert sich in seinem Vorgänger durch „dreckige“, harte Sounds – Aggressivität in allen Facetten zeichnet das zweite Album. 

 

 Der neue Longplayer dreht sich um die Vergangenheit des Frontmans als Außenseiter, aber es wird auch thematisiert, wie der Sänger mit diesem Dasein als Loser abgeschlossen hat. Dieser Verlauf scheint chronologisch geordnet zu sein: Nachdem im ersten Song „Aggressive“ die Grundstimmung verdeutlicht wird, entwickelt sich das Album von „Hated“ („Who knew you´d be hated for being who you are?“) über „However you want it said“ („I´m sick of it, over it, however you want it said“) bis hin zu „King of Anything“ („I´ve tried to be the person all of you wanted me to be, maybe I´m ok with who I am“).

 

Das Songwriting und die Melodien im Allgemeinen wirken gegenüber dem Debütalbum durchdachter und ausgefeilter – das gilt sowohl für die melodischen als auch für die harten Parts. Wo zum Beispiel „I Have A Problem“ im vorigen Release eine Rakete war, ist „Censored“ ein riesiges Feuerwerk. Das eher hardcorelastige „Always Dead“, das punkige „Loser“ oder das rockige „Rock is Dead“ bieten dem Hörer aufregende Riffs, die einem im Kopf bleiben.

 

 Fakt ist, dass Beartooth mit ihren Soundexperimenten mehr als nur erfolgreich sind.

 

Auch mein Bedenken, das Ende des Albums könnte genauso unangemessen wie „Sick and Disgusting“ im vorigen Release sein, wurde aus dem Weg geschafft. Zwar wird der Hörer mit fast derselben Stimmung aus „AGGRESSIVE“ entlassen wie aus „DISGUSTING“, jedoch ist die Umsetzung um ein Vielfaches besser; „King of Anything“ fügt sich dem Gesamtzusammenhang und wirkt angebracht. Außerdem dient der balladenartige Song dazu, ein beruhigendes Finale zu schaffen, sodass man nach den knapp 40 Minuten nicht komplett AGGRESSIVE ist.

Kurzum: „AGGRESSIVE“ ist ein Meisterwerk geworden!                                                   

Vor allem junge Menschen fühlen sich durch die Handlung des Werks mit Shomo verbunden, da es in der heutigen Welt viele Jugendliche gibt, die mit den gleichen Problemen wie der Sänger zu kämpfen haben.

 

Nadja

 

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